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Lyrik

Maßlosigkeit

Klischees, die ich längst tot glaubte,

tauchen aus der Tiefe auf

und stimmen nur zu oft.

Volle Milchtüten,

wie tote Negerkinder

weggeschmissen

zusammen mit

schlecht gewordenen Aufschnitt.

– Faules Fleisch,

das zum Himmel stinkt.

Nicht einmal achtlos weggeschmissen.

Jemand war nur zu satt,

um noch etwas zu essen.

Ich mach die Mülltonne auf.

Ein Kind sieht mich traurig an

mit seinen toten Olivenaugen.

Die dicke Kartoffelnase,

narbig und angefault.

Ein dicker, aufgedunsener Milchtütenbauch,

der über die knöchernden,

in Plastik geschweißten,

Hähnchenschenkel quillt.

Ein dunkler Bohnenmund,

wie zum Schrei geöffnet.

Ein stummer Schrei,

der aus tausend

hungrigen Mäulern schallt.

Solange soetwas noch vorkommt,

wird er stumm bleiben.

© Mathias Bleckmann 2004

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