Erstmals zwei Unwörter des Jahres von der Jury der „Sprachkritischen Aktion“ gekürt

Jury rügt irreführende Begriffe

Die „Sprachkritische Aktion“ – eine überwiegend aus Sprachwissenschaftlern bestehende Jury – rügt mit dem Unwort des Jahres Wörter, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistische, verschleiernde oder irreführende Formulierungen sind. Die eingesendeten Vorschläge müssen eines dieser Kriterien erfüllen.

Die Corona-Pandemie war bei den Vorschlägen das dominierende Thema der 1826 bis zum 31. Dezember eingegangenen Einsendungen. Es gab 625 unterschiedliche Vorschläge. Allerdings richtet sich die Jury nicht nach der Menge der Vorschläge für ein einzelnes Wort.

Die Unwörter des Jahres 2020 sind „Corona-Diktatur“ und „Rückführungspatenschaften“. Zum ersten mal kürt die Jury gleich zwei Begriffe, um darauf aufmerksam zu machen, dass auch abseits der  Corona Pandemie unangemessene Wörter geprägt wurden.

Damit wolle die Jury Rücksicht darauf nehmen, dass das Thema der Corona-Pandemie in der Öffentlichkeit im vergangenen Jahr dominiert habe. Zugleich wolle man aber darauf aufmerksam machen, „dass auch in anderen Themenbereichen weiterhin inhumane und unangemessene Wörter geprägt und verwendet werden“.

Deshalb sei die Wahl auf den Begriff „Corona-Diktatur“ gefallen, der seit Beginn des öffentlichen Diskurses in der Pandemie von selbst ernannten „Querdenkern“ und rechten Propagandisten gebraucht worden sei, um regierungspolitische Maßnahmen zur Eindämmung zu diskreditieren, so die Jury.

Der zynische Begriff „Rückführungspatenschaften“wird von der EU-Kommission in der Migrationspolitik benutzt. Er bezeichnet die Option für die Länder, die keine Flüchtlinge aufnehmen wollen, stattdessen bei Abschiebungen der Flüchtlinge zu helfen. Mit Rückführung sei nichts anderes gemeint als Abschiebung und die Patenschaft sei ein eigentlich positiv besetzter Begriff.

 

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