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Eine Reise mit dem Rucksack um die Welt T28

Ich bin froh, dass die Leute vorbeifahren, die mich nicht mitnehmen wollen. Es wäre fürchterlich, wenn ich bei ihnen mitfahren müsste. Überwiegend halten junge Leute an (so bis 35 Jahre), eher selten auch ältere. Irgendwie bin ich immer wieder aufs Neue erstaunt, dass es doch noch weitergeht.

Wie schon gesagt, Lebensphilosophie eben. Den schnellsten Lift bekam ich nach 5 Minuten, während ich auch schon mal sechs (6!!) Stunden auf einen Lift warten musste. Natürlich passiert unterwegs auch Kurioses, so waren zum Beispiel die ältesten Konkurrenten, die ich jemals beim trampen hatte, ein Ehepaar irgendwo zwischen 65 und 80 Jahre alt. Tapfer, tapfer. Und da stelle ich mich wegen der paar Blasen an. Lebensphilosophie!

Nicht umsonst heißt es im Volksmund: Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben (erzählen). Jetzt da ich wieder alleine reise, muss ich mich zur Disziplin zwingen, denn ich merke, dass ich schlampig werde. Das macht sich bemerkbar in der Wahl des Zimmers, Preise sind einem irgendwie egal und man hat sowieso nicht unbedingt einen Bezug dazu. Ich fühle mich wie ein Stück Treibholz auf wilden Stromschnellen, magisch angezogen vom immer lauter werdenden Wasserfall. Nur Selbstdisziplin kann mich vorm Untergang noch retten. Ich erinnere mich daran, dass Peter und ich uns immer sehr wählerisch gegeben haben in der Wahl des Zimmers, der Restaurants und auch der Mädchen. Schade, aber die Zeit ist vorbei.

Ich versuche, dass wichtigste hinüberzuretten und mir Selbstdisziplin aufzuerlegen. Vielleicht beginnt an der Algarve ja eine neue Zeit zu zweit. Zukunft ich komme. Gerade habe ich mir eine paar spanische Ausdrücke angewöhnt und schon geht es nach Portugal mit einer anderen Sprache. So ist es immer gewesen, aber ich mache diese Reise ja auch nicht als Sprachreise, sondern als Selbsterfahrungstrip. „Nach innen geht die geheimnisvolle Reise.“ wusste mein Deutschlehrer mir ein Novalis-Zitat mit auf den Weg zu geben. Und so langsam begreife ich die Worte.

Am Anfang meiner Reise wusste ich nicht, warum ich unbedingt losziehen musste. Ich wusste damals nur, dass ich gehen musste. So ganz allmählich spüre ich den Grund für diese Reise. Es ist eine Reise zu mir selbst. Ich möchte mich finden. Ich möchte wissen, wo und wie ich in der Welt stehe. Ich möchte Erfahrungen sammeln und sehen und für mich entscheiden, wo ich leben möchte. Wie kann man für sich entscheiden, wo man leben möchte, wenn man außer seinem Heimatland nichts gesehen hat? Woher weiß ich denn, ob das alles stimmt, was mir die Lehrer jahrelang erzählt haben, wenn ich es nicht nachprüfe? Natürlich kann das nur jeder für sich entscheiden, aber genau das ist ein Aspekt meiner Reise. Jahrelang wurde ich in der Schule mit Wissen vollgestopft, bis ich fast überlaufen sollte. Erfahrungen hingegen muss man selber machen, die kann man sich nicht erzählen oder vorleben lassen.

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